Peter Weniger & Hubert Nuss

Colourfish

Katalog

JJ51042 (CD)

Besetzung

Peter Weniger – ts, ss
Hubert Nuss – p, keyb

Peter Weniger und Hubert Nuss sind „together again“! Auf ihrem neuen Album „Colourfish“ halten sie einmal mehr innige Zweisprache, schweben auf sphärisch-geheimnisvollen, elektronischen Klangteppichen über Berge, durchstreifen magische Landschaften, suchen geduldig nach den weniger betretenen Pfaden und entscheiden sich doch immer für den richtigen Weg.

Was sie am Wegesrand ihrer freundschaftlich-vertrauten Musikspaziergänge entdecken, aufmerksam betrachten und aufsammeln, dient den beiden meisterhaften Instrumentalisten als Spielmaterial: Virtuos tauchen sie Melodien, Harmonien und Sounds in magische Klangfarben, lassen sie funkeln und erstrahlen. „Ein Akkord“, hat Hubert Nuss einmal gesagt, „ist mehr als die Summe seiner einzelnen Teile. Die Einzelheiten nimmst du nicht wahr, nur das Schillern der Farben.“

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Eigentlich waren Peter Weniger und Hubert Nuss ja nie nicht „together again“. Während sie auch als Einzelkünstler große Anerkennung erfuhren, blieben ihre langjährige Verbundenheit sowie ihre inspirierende Freundschaft dauerhaft bestehen. Seit ihrem ersten, 1991 veröffentlichten Duo-Album „Private Concert” waren sie regelmäßig zusammen, mal im Duo, mal im Trio, auch als Sideman in den Projekten des jeweils anderen – immer als kreativer Teil des jeweiligen schöpferischen Aktes. „Being part in the act of creation“, lautet denn auch Peter Wenigers Credo, wenn er musikalische Projekte initiiert, in denen er leidenschaftlich Stilformen und Genres durchspielt. Hubert Nuss wiederum ist derjenige, der von den „Colours“ schwärmt und ständig nach Wegen sucht, seine Farbeindrücke in sinnliche Musik zu verwandeln. „The Book of Colour“ hieß ein Album seines formidablen Trios mit John Goldsby und John Riley, das auf der Synästhesie von Tönen und Farben im Geiste Olivier Messiaens fußte.
 
Alles, was Peter Weniger und Hubert Nuss bislang künstlerisch zum Ausdruck brachten, findet sich auf atemberaubende Weise auf „Colourfish“: sphärisch, melodisch, hier kammermusikalisch, dort rhythmisch, schwelgend in üppigen Farbmodi. Dabei ist „Colourfish“ alles andere als ein schlicht resümierendes Best-of-Album, im Gegenteil: „Colourfish“ ist ein durch und durch eigenes, tief destilliertes Meisterwerk, erschaffen aus fein aufeinander abgestimmten Botanicals aus der Klangküche beider Musiker, subtil im Einsatz von Aromen und langanhaltenden Sinneseindrücken. „Colourfish“ ist ein gereiftes Meisterwerk, an dem nichts in Stein gemeißelt ist. Vielmehr ist es die freundliche Einladung, alles stets neu zu denken, die Dinge nicht ruhen, sondern fließen zu lassen – und dabei alles zuzulassen.
 
Das Album muss keinen noch so großen Vergleich scheuen. In seiner emotionalen Tiefe und brillanten Virtuosität erinnert es an „Luminessence“, jenes epochale Duo-Werk von Keith Jarrett und Jan Garbarek, das die beiden zeitnah zu ihrem Quartett-Album „Belonging“ einspielten – nicht als Resultat des einen aus dem anderen, sondern als parallele, sinnlich-mythische Suche mit verschiedenen Möglichkeitsformen. Ähnliches glückt auch Peter Weniger und Hubert Nuss. Wobei „Colourfish“ Komposition und Improvisation zugleich ist: Wo etwas beginnt und wo etwas endet, ist irrelevant angesichts der stupenden Harmonie zwischen den beiden Musikern. Da, wo Jarrett die orchestralen Rahmenbedingungen für Garbareks konzentrierte Saxofon-Improvisationen erschuf, benutzt Nuss elektronische Hilfsmittel, generiert streicherartige Klänge aus dem Synthesizer, verwendet die Orgel als geheimnisvoll schwebendes Klangmodul, so, als fielen Lichtstrahlen durch ein farbiges Kirchenfenster.
 
Anders als Keith Jarrett nutzt Nuss sein Klavier als gleichberechtigt gestaltendes Instrument neben Wenigers Saxofonen. Im liturgischen Stück „Offertoire From L’Orgue Mystique No.35” von Charles Tournemire wechseln sich er und Weniger antiphonisch ab, in den übrigen Stücken ergänzen, überlagern und durchdringen sich Klavier und Saxofon, oft Wenigers hymnisch klares Sopransaxofon, mitunter aber auch sein tief ins sich selbst ruhendes Tenorsaxofon. Jedes Stück auf „Colourfish“ ist ein fein geschliffenes Juwel, das Pablo Held in seinen Liner Notes des Albums ganz zu Recht bejubelt.
 
Zugleich sind die elf Stücke immer auch Etappen einer großen Promenade, eines großzügigen Flanierens durch Stimmungen und Impressionen. Die Titel spielen hintergründig mit Farben („Loi Matisse“, „Colourfish“, „Your Reflection“), deuten nachdenkliches Innehalten („Waiting“, „Song Of The Hopeless“), Bewegungen („Fly“) oder eben auch Wege an, etwa in „On The Road With Lino“, besonders aber in „Less Traveled Path”, das eine Zeile aus Roberts Frost berühmten Gedicht „The Road Not Taken“ aufgreift. Egal, welchen Weg man wählt, so heißt es darin, alle Wege sind „gleichermaßen mit Laub bedeckt“ und führen auf rätselhafte Weise doch stets zu denselben Wegkreuzungen. 
 
Schließlich die zweite Fremdkomposition des Albums: „Sometimes I Wonder“ von Barry Manilow entstand für den freundlich-verspielten Animationsfilm „The Pebble and the Penguin“ (1995) von Don Bluth, der hierzulande den obskuren Titel „Hubi, der Pinguin“ verpasst bekam. Ein verliebter Pinguin sucht für seine Angebetete einen passenden Kieselstein und singt sinnierend: „Sometimes I wonder what the colours mean.“ Hubert Nuss und Peter Weniger zaubern aus der Melodie ein liebenswürdiges Kleinod – und da sind sie dann auch wieder, diese wundersamen, farbigen Dinge, die beide begeistern.
 
Peter Weniger nennt eines seiner langlebigsten Ensembles „Point Of Departure“. Wenn dies für ihn ein Ausgangspunkt ist, was ist dann „Colourfish“ für ihn und Hubert Nuss? Definitiv kein Endpunkt, wohl eher eine weiterer, faszinierender „traveled path“ der Freunde und Verbündeten. „Colourfish“ ist ein Meilenstein in ihrem Oeuvre, nicht weniger und nicht mehr als ein weiterer, grandioser „Point of Presence“. So hieß vor 30 Jahren ein anderes großartiges Album der beiden, das eigentlich im Trio mit Posaunist Conrad Herwig entstand, am Ende aber einen Gänsehaut-Moment im Duo beschert. Und wie hieß dieses Stück? Natürlich: „Together Again“.
Infos zur Produktion

All compositions written by Peter Weniger and Hubert Nuss, except "Offertoire From L'Orgue Mystique No.35" written by Charles Tournemire and "Sometimes I Wonder" written by Barry Manilow

Recorded at Topaz Studios Cologne by Reinhard Kobialka on September 11th & 12th 2024
Mastered by Thomas Ölscher. Produced by Peter Weniger, Hubert Nuss & Jens Bosch (Executive Producer)
Design by Katerina Trakakis / Any Studio, Berlin

℗+© 2026 JazzJazz Records / LC97320

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