Carla Köllner Big Band
not obsessed but kinda into
Katalog
JJ51046 (CD)
Besetzung
Carla Köllner Big Band
Carla Köllner Big Band
feat. Lisa Buchholz (flgh) 09
Günter Bollmann (trb) 06
Saxophones
Julius van Rhee (as, fl, cl) 01 - 07, 09
Paula Steimer (as, fl, cl) 01 - 07, 09
Lennart Allkemper (ts, cl) 02 - 04 & 06, 07, 09
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feat. Lisa Buchholz (flgh) 09
Günter Bollmann (trb) 06
Saxophones
Julius van Rhee (as, fl, cl) 01 - 07, 09
Paula Steimer (as, fl, cl) 01 - 07, 09
Lennart Allkemper (ts, cl) 02 - 04 & 06, 07, 09
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Lucie Graehl (ts) 01 & 05
Wim Schulze (ts) 01 - 07, 09
Roman Fritsch (bs, bcl) 01 - 07, 09
Trumpets
Cay Schmitz 02 - 04 & 06, 07, 09
Matthias Schwengler 01 & 05
Franziska Becker 02 - 04 & 06, 07, 09
Benjamin Stanko 01 & 05
János Löber 01 - 07, 09
Marie Tjong Ayong 01 - 07, 09
Trombones
Philipp Schittek 01 - 07, 09
Paul Lüpfert 01 - 07, 09
Jonathan Böbel 01 & 05
Philipp Hayduk 02 - 04 & 06, 07, 09
Tobias Herzog 01 - 07, 09
Rhythm
Carlotta Ribbe (vib) 01 - 09
Paul Prassel (g) 01 - 07, 09
Benedikt Göb (p) 01 - 09
Caris Hermes (b) 01 - 09
Niklas Walter (dr) 01 - 07, 09
„Nach zehn Jahren Schreiben für Big Bands komme ich jetzt nicht mehr drum herum: Es wird Zeit für ein komplettes Big-Band-Album – und das wird dann auch mein Debütalbum.“ So lakonisch und doch spürbar vorfreudig kündigt Carla Köllner ihr erstes Album mit dem vielsagenden Titel „not obsessed but kinda into it“ an. Demnach ist sie „nicht besessen, aber irgendwie doch begeistert“ – und tatsächlich sei nicht nur jenen, die sich von der charmant vorgetragenen Ankündigung der Posaunistin, Komponistin, Arrangeurin und Bandleaderin anstecken ließen, sondern allen Big-Band-Fans gesagt: Dieses großartige Debütalbum hat es wirklich in sich!
Carla Köllner hat ihre außerordentliche Musikalität zu einem großorchestralen Album der Extraklasse gebündelt. An der Schwelle von Tradition und Moderne entfesselt sie ein fein ziseliertes Klangfeuerwerk und entlockt ihrem vorzüglich besetzten Orchester die herrlichsten Klangfarben. Komplexe Harmonien, dynamische Arrangements, prächtig treibende Riffs und brillant improvisierte Soli prägen die charaktervolle Big-Band-Textur, hier und da gewürzt mit energischen Pop- und Rock-Einflüssen, vor allem aber getragen von Carla Köllners durch und durch eigenständiger Ausdrucks- und Gestaltungskunst.
So ist „not obsessed but kinda into it“ weit mehr als einfach „nur“ ein Big-Band-Album: Carla Köllner kreiert eine außergewöhnliche, impressionistische Programmmusik, bei der Jazzrhythmik und Jazzharmonik mit schillernden Klangfarben, subtilen Atmosphären und tiefen Emotionen verschmelzen. Bereits die Titel ihrer Stücke spiegeln ihre Lust am fabulierfreudigen Geschichtenerzählen: So lernt man, seine inneren Ängste zu überwinden, indem man einen Drachen trainiert („how to train a dragon“), lebt mal beharrlich („persistence“), mal verspielt („hüpfen“) und mal hintergründig verschmitzt („bitte nicht schubsen, habe joghurt im rucksack“), bevor man sich schließlich auch einmal die Wahrheit sagen lässt („tell me who i am (i dare you)“ – falls sich dies denn jemand traut). Am Ende zieht man bestens vorbereitet in die Welt hinaus („okayyy let’s go“), im Ohr das wahrlich wegweisende Flügelhorn-Solo von Lisa Buchholz.
Man mag es bedauern, dass die talentierte Big-Band-Leiterin auf ihrem Debütalbum nicht selbst auch Posaune spielt. Immerhin bewies sie schon oft ihr Können als Instrumentalistin, etwa als Mitglied der Funkband Tilar, als Protagonistin ihres Bachelorprojekts BBIKKE (einem Posaunenensemble mit sechs Posaunen), als Mitglied von Luise Volkmanns „Été Large“ oder auch in den Konzertbands von Nina Chuba und AnnenMayKantereit. Vor allem mit der WDR Big Band begeisterte sie beim Konzertprojekt „Cologne Composers Corner“ als Solistin in ihrer Komposition „minolla“, einer musikalischen Erzählung für Posaune, bei der die markante Solostimme einen wunderbaren Diskurs mit dem großen Klangkörper führt. Wer Carla Köllners Posaune nun vermisst, wird aufs Beste getröstet: Auch auf „not obsessed but kinda into it“ ist „minolla“ zu hören und avanciert sogar zum Dreh- und Angelpunkt des Albums – hier (vor-)getragen von Posaunist Günter Bollmann, der sich hinter seinen erklärten Vorbildern Carl Fontana, Frank Rosolino oder Bob Brookmeyer einmal mehr nicht zu verstecken braucht.
Überhaupt ist es die kluge Wahl der versierten Orchestermitglieder, die Carla Köllners Debüt auszeichnet. Überwiegend sind es vertraute Weggefährtinnen und Weggefährten, die sie auf den verschiedenen Stationen ihres bisherigen Werdegangs kennen und schätzen lernte. Die gebürtige Essenerin studierte ab 2013 Jazzposaune bei Ansgar Striepens an der Folkwang Universität der Künste; zwischendrin absolvierte sie ein Auslandsjahr am Conservatorium van Amsterdam, u. a. bei Martijn Sohier, Bert Boeren, Erik van Lier und Bart van Lier. Von 2022 bis 2024 nahm sie am Programm Master Big Band an der HFMDK Frankfurt mit dem Schwerpunkt „Schreiben“ in Kooperation mit der HR Big Band teil. Schließlich veröffentlichte sie erstmals drei eigene Big-Band-Kompositionen, aufgenommen 2024 mit der Carla Köllner Big Band in den Hansahaus Studios in Bonn. (Nur nebenbei: darunter das formidable Stück „old habits die hard“ mit einem denkwürdigen Solo der Flötistin Jorik Bergman.) Nicht zu vergessen: Carla Köllner war Mitglied im vorzüglichen Jahrgang 2016/17 des Bundesjazzorchesters sowie im renommierten Essen Jazz Orchestra, das bereits 2021 ihre Werke zur Aufführung brachte.
All dies fließt nun als kostbarer Erfahrungsschatz in ihr Debütalbum ein – ein Orchesterwerk von wirklich besonderem Rang. Man achte allein auf die elegante Verzahnung der Orchesterparts mit den Soli: Keine der Improvisationen steht willkürlich zwischen den Ensemblepassagen; sie erwachsen vielmehr organisch aus dem Orchester und erblühen prachtvoll aus der Kraft der „Knospen“. Um es mit Rilke zu sagen: „Die ersten Keime sind, die zarten, im goldnen Schimmer aufgesprossen; schon sind die ersten der Karossen im Baumgarten.“
Beim wiederholten Hören achte man dann weniger auf die solistischen Glanzleistungen als vielmehr auf die transparente Textur der Trompeten, Posaunen und Saxofone, die raffinierten Schraffuren, Punktierungen und Lavierungen der Ensemblesätze, die in immer neuen Abmischungen voller Tiefe und Plastizität faszinieren. Oder man konzentriere sich einmal auf die herrlichen „Kleckse“ der Rhythmusabteilung: die wärmende Schönheit von Carlotta Ribbes Vibrafon, die Riffs von Gitarrist Paul Prassel, das energetische Slappen von Caris Hermes sowie deren Interaktion mit Schlagzeuger Niklas Walter. Oder – nicht zuletzt! – man achte auf Carla Köllners wiederkehrende Hinwendung zu den sonoren Klängen des tiefen Blechs, sowohl im Satzgefüge als auch in den solistischen Glanzlichtern „ihrer“ Posaunen.
Alles in allem ist die Carla Köllner Big Band keine Power-Big-Band à la Rhythm Combination and Brass – und doch zeugt sie von außerordentlicher Kraft, Energie und Leidenschaft. Ja, man möchte guten Gewissens noch einen Schritt weitergehen: Die Carla Köllner Big Band steht prototypisch für ein menschliches und intelligentes Miteinander, wie es in heutigen Zeiten längst nicht mehr selbstverständlich ist. Das wunderbare Zusammenwirken aller Musizierenden spiegelt gleichsam den Idealzustand menschlichen Handelns, bei dem gemeinschaftliche Kreativität und Fürsorge kongenial zueinanderfinden. Das ist nicht wenig für eine zeitgenössische Big Band: dass sie eine tiefe, freie und humane Erfahrung vermittelt, zu der alle beitragen und an der alle teilhaben – auch wir Zuhörenden.
Infos zur Produktion
Recorded and mixed by Nico Raschke at Hansahaus Studios Bonn. Mastered by Thomas Ölscher.
Produced by Carla Köllner & Jens Bosch (Executive Producer, JazzJazz Records)
Design by Any Studio, Berlin. Photography by Laura Rukavina.
Supported by Initiative Musik gGmbH with project funds from the Federal Government Commissioner for Culture and Media.
℗+© 2026 JazzJazz Records / LC97320

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