Paul Heller & Bart van Lier

Bart's Bounce

Katalog

JJ51043

Besetzung

Paul Heller - Tenor Sax
Bart van Lier - Trombone
Martin Sasse - Piano
Martin Gjakonovski - Bass
Joost van Schaik - Drums

Man darf es ohne Wenn und Aber feststellen: Bart van Lier ist als Jazzposaunist weltberühmt. Ob als gefragter Orchester- und Big-Band-Musiker, als umjubelter, vielfach prämierter Solist, als Mitbegründer der renommierten Jazzabteilungen der Musikhochschulen in Den Haag und Hilversum oder als Pädagoge mit eigener Trainingsmethode: An Bart van Lier führt kein Weg vorbei, wenn es um die hohe Kunst des Posaunenspiels im zeitgenössischen Jazz geht. Sogar eine eigene Posaune wurde nach ihm benannt, auch sie wurde ausgezeichnet: Die B-Tenorposaune Bart van Lier „.512“ habe einen ganz besonderen Klang, heißt es, sie begeistere durch handwerkliche Perfektion sowie die „Mischung aus Robustheit, Wärme und Helligkeit“. All das lässt sich auch über den Ausnahmemusiker selbst sagen, dessen Namen die Posaune trägt. Wenn Bart van Lier spielt, dann spricht und singt er, dann erzählt er einfühlsam und leidenschaftlich Geschichten aus Melodien und Improvisationen. Sein Spiel glüht vor Wärme, die Interaktion mit seinen Mitspielenden zeugt von Einfühlungsvermögen und Empathie.

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All dies lässt sich auf dem Album „Bart’s Bounce“ erleben und genießen: Der Posaunist Bart van Lier begegnet dem Saxofonisten Paul Heller, Paul Heller begegnet Bart van Lier – und beide ergänzen sich mit ihren kongenialen Mitstreitern Martin Sasse, Martin Gjakonovski und Joost van Schaik zu einem Jazzquintett wie aus einem Guss – ausdrucksvoll, groovend und doch immer auch so fein, achtsam und kunstvoll „gefaltet“ wie eine perfekte Origami-Figur.
Paul Heller und Bart van Lier kennen sich seit Langem. Bereits als Jugendlicher hörte Heller die Platten des Posaunisten, darunter „Homeward“, das erste Album des Trompeters Ack van Rooyen unter eigenem Namen, das Ferdinand Povel Quintet oder Bart van Liers Ensemble First Brass mit seinem Bruder Eric van Lier, Allan Botschinsky und Derek Watkins. Heller: „Das waren Platten, die ich rauf und runter gehört habe und durch die ich schon früh ein Riesen-Fan war. Vor allem aber waren es all die schönen Herbolzheimer-Platten, auf denen Bart maßgeblich den Sound prägte.“ Mehr als 30 Jahre gehörte Bart van Lier neben Jiggs Whigham und seinem Bruder Erik van Lier zur Stammbesetzung von Peter Herbolzheimers „Rhythm Combination & Brass“.

Persönlich lernten sich Bart van Lier und Paul Heller Anfang der 1990er-Jahre kennen, da war der erfahrene Posaunist Dozent und der junge Saxofonist Mitglied des Bundesjazzorchesters. 35 Jahre später gehörten beide zum Dozententeam. „Das erste Mal gemeinsam“, erinnert sich Heller, „spielten wir beim 20-jährigen Bühnenjubiläum von Silvia Droste.“ 1989 hatte Bart van Lier die Sängerin mit seinem Ensemble Bart’s Bones begleitet, für das er eine Vier-Posaunen-Section mit einer swingenden Rhythmusgruppe kombinierte, um den „menschlichen“ Posaunenklang mit Silvia Drostes Gesangsstimme zu verbinden.
Womit man mitten hinein in das Album „Bart’s Bounce“ gerät, zu „Peace“ von Horace Silver: Meisterhaft zeigt auch diese ikonische Jazzballade, wie nahe Bart van Liers Posaune der menschlichen Stimme kommt. Nach van Liers ausführlich „plauderndem“ Solo-Intro zaubert ihm die Rhythmusgruppe das Fundament für eine der wohl schönsten Interpretationen des Stücks überhaupt. Mitunter spielt van Lier zweistimmig, erzeugt hinreißende Differenz- und Summentöne, dann lässt er seiner Fabulierfreude freien Lauf, wobei seine gelegentlich gestopfte Posaune fast an eine Trompete erinnert. Feine Soli von Martin Sasse und Martin Gjakonovski komplettieren das Stück, das – ausnahmsweise – ganz ohne Paul Heller auskommt: „Bart hat eine unfassbar persönliche, tiefe Art und Weise zu spielen. Er hat sich das Stück komplett zu eigen gemacht, da hatte ich nichts mehr hinzuzufügen.“

Noch zwei weitere Stücke auf „Bart’s Bounce“ sind ebenfalls Jazzstandards. Den Bossa-Nova-Klassiker „Favela“ von Antônio Carlos Jobim, der Mitte der 1960er-Jahre als „subversive“ Musik und Protestsong in Brasilien verboten war, hatte Heller von Bart van Lier in einem Konzert gehört: „Da drückte er ihm seinen Stempel auf, das hat mich begeistert.“ Wie in den meisten Stücken spielen Heller und van Lier auch hier das Thema unisono. Heller: „Bart spielt die Melodie, ich spiele so ein bisschen drumherum. Später folgt dann eine Kollektivimprovisation: Wir improvisieren beide gleichzeitig, spielen und hören doch aufeinander, reagieren und interagieren. Mit Bart kann man solche Kollektivimprovisationen wunderbar machen.“
„United“ ist ein Stück von Wayne Shorter, eine „clever konstruierte Komposition, trotzdem natürlich und melodisch – ein tolles Vehikel, um darüber zu improvisieren“. Erneut steuert Martin Sasse ein brillantes Solo bei, perlend, hell, mitunter aber auch „tiefgründig“ in dunklen Passagen. Daran schließt sich Bart van Liers Komposition „Ackvan“ an, eine stimmungs- und seelenvolle Hommage an Ack van Rooyen. Heller: „Bart hat es anlässlich des Konzerts zum 85. Geburtstag von Ack geschrieben, damals spielten wir es zusammen. Eine tolle Erinnerung an Ack.“

Die drei weiteren Stücke des Albums stammen aus der Feder von Paul Heller. „Roots“ verweist auf „Firm Roots“ von Cedar Walton. „Solche Hard-Bop-Stücke der 1950er- und 1960er-Jahre“, sagt Heller, „sind die Wurzeln von uns allen. Das Stück ist eine Verbeugung, zugleich habe ich Teile eingefügt, die unsere ganz eigene Art von Hard-Bop-Jazz zeigen.“ Ähnlich traditionsbewusst und doch auch modern ist „Calypso“: „Ich wollte diese Stimmung kreieren, die einst Sonny Rollins mit ‚St. Thomas‘ in den Jazz eingebracht hat. Die ganze Band kann sich da auslassen und verbreitet gute Stimmung.“
Das Album endet mit dem Titelstück, mit „Bart’s Bounce“, einem groovenden Blues voller markanter Signalmotive, mit leidenschaftlichen Soli von Bart van Lier, Paul Heller, Martin Sasse und Martin Gjakonovski – und, man höre und staune, einem herrlich „fetten“ Big-Band-Sound! „Ja“, sagt Heller, „das Stück ist meine persönliche Verneigung vor Bart. Ich wollte seine Art und Weise des Spielens herausheben, und dazu gehört seine Leidenschaft für die Big Band.“ Tatsächlich atmet das Stück den Sound eines großen Orchesters: „Wir haben dafür beinahe so viele Stimmen aufgenommen und übereinandergelegt, wie es sie in einer Big Band gibt. Bart hat einen ganzen Posaunensatz eingespielt, ich die Saxofone. Ich wollte diesen Big-Band-Sound hörbar machen, der ein so bedeutsamer Teil von Barts Persönlichkeit ist.“
Damit endet ein mitreißendes Album als respekt- und liebevolle Hommage an Bart van Lier, einen der bedeutendsten Posaunisten seiner Generation. Wobei der Musik nicht ein Hauch des Statuarischen oder Musealen anhaftet: Mit viel Leidenschaft, Feinfühligkeit und ausgefeilter Technik spielen, denken und leben Bart van Lier, Paul Heller, Martin Sasse, Martin Gjakonovski und Joost van Schaik ganz im Hier und Jetzt. „Bart’s Bounce“ begeistert durch seinen zeitlosen Groove, seine Vitalität und die Bereitschaft, jeden Klang, jede Melodie und jede Stimmung so tief wie nur eben möglich auszukosten.
Infos zur Produktion

Recorded, mixed & mastered by Klaus Genuit at Hansahaus Studios, Bonn
Produced by Paul Heller & Jens Bosch (Executive Producer)

℗+© 2026 JazzJazz Records / LC97320

Design by NewID, Paris. Photography by Christian Frentzen.